Der unbunte Seher

Die unbunte Welt

Schwarz-weiss Fotos haben auch in der Welt der Farben nichts von ihrer Faszination verloren, auch nicht bei denen, die mit Farbfotos groß geworden sind. Könnte dies durch einen Rest "Entwicklungsgeschichte" in unseren Genen bedingt sein? Viele Lebewesen sehen ja nach wie vor nur unbunt.

Im Zeitalter der digitalen Fotografie ist es ja ohne weiteres möglich, nach der Aufnahme eines Bildes vielfältige Farbmanipulationen an der aufgenommenen Datei vorzunehmen, so dass sich der Fotograf bei seinem Gang durch die Welt eigentlich keine Gedanken darüber machen muss, was er bei der Aufnahme diesbezüglich beachten sollte/müsste. Das entlastet einerseits, schult aber nicht das Sehen. Ich stelle die Kamera schon auf schwarz-weiss ein, lege also einen schwarz-weiss Film ein, weil ich so schon vorab einschätzen muss, wie sich ein Motiv letztlich in schwarz-weiss darstellt. Es gelingt mir zwar nicht, das Motiv schon schwarz-weiss zu sehen, aber ich muss mir vorstellen können, wie ein Motiv unbunt wirkt. Ich blicke also mit "anderen Augen" auf die Welt, als der Farbfotograf. Ich sehe eine andere Welt.